Meshcore nutzen - Kommunikation auch bei Dunkelheit und Kälte

28.01.2026, Version: 0.9f
https://www.maroki.de/pub/technik/mc_nutzen.html


Ich habe diesen Text zum Einstieg in Meshcore verfasst, so wie ich ihn als Meshcore-Neuling, der im Internet nach einer Einführung fahndet und dem die darunter liegende Funk-Technik, die wie Lora oder LoraWAN in den meisten Erst-Einführungen in den Vordergrund gestellt wird, dahinter erst einmal egal ist, gern gelesen hätte. Mail mir gern Verbesserungen dieses Textes zu. Ich möchte, dass mehr Menschen, die mit Funktechnik nichts am Hut haben, Meshcore entdecken. Der Umgang mit Meshcore ist noch immer einer Thema für Nerds, aber nur weil es neu, nicht weil der Umgang kompliziert ist. Meshcore ist einfach zu durchschauen, die Nerds werden das Interesse daran verlieren, sobald es im Mainstream angekommen ist.

Gliederung

Was ist Meshcore?

Meshcore bezeichnet einen Standard, mit dem man Nachrichten im knappen SMS-Format verschicken kann; per Lora-Funk über kleine Funkgeräte, die sich untereinander, ohne Kontakt zum Internet oder anderen Netzen, per Funk vernetzen. Das ist die ganze Kernidee. Man ersteht ein kleines Lora-Funkgerät, installiert eine App auf dem Handy, verbindet Handy und Funkgerät per Bluetooth und schreibt in der App die Nachricht an jemanden, der ebenfalls ein solches Funkgerät hat. Läuft erst einmal die Technik, dann ist Meshcore genau so einfach wie SMS oder Signal zu nutzen.

Die Funkgeräte funken auf 868MHz; die Nutzung dieser Frequenz ist, weil sie sich im "ISM-Band" (Industrial, Scientific and Medical) befindet, kostenlos erlaubt. Diese Großzügigkeit liegt darin begründet, dass dieser Frequenzbereich für Funkanwendungen mit geringer Reichweite wie bspw. SmartHome, Alarmanlagen oder Sensoren bspw. für Wetterdaten, oder auch Garagentorsteuerungen vorgesehen ist. Meshcore ist insofern ein intelligent designtes Abfallprodukt; es schmiegt sich zwischen all diese Anwendungen und Signale, man muss deshalb bei Meshcore grundsätzlich mit Störungen rechnen. Eine Störung bei Meshcore äußert sich so, dass man hin und wieder eine Nachricht zwei drei Mal absenden muss, bis sie empfangen wird.


Abb. 1: Meshcore-Repeater in Deutschland (Stand:
2025/12,
https://meshcore.co.uk/map.html)

Trotz der vielen Nebengeräusche können mit Meshcore Nachrichten über viele Kilometer ausgetauscht werden; in einem Stadteil, in einem Dorf, unter Verwandten und Freunden. Meshcore braucht nur geringste Mengen an Strom, weshalb es für den Betrieb grundsätzlich nur kleiner Batterien bedarf, auch wenn die Geräte typischerweise im Alltag natürlich an kleinen USB-Netzteilen laufen. Man kann Meshcore unabhängig von Stromversorgung, Handynetz und Internet nutzen. Meshcore funktioniert im regionalen Umfeld. Meshcore funktioniert genau dann, wenn es wirklich mal drauf ankommt, dass man sich kurz miteinander besprechen muss. Also bspw. im Katastrophenfall eines Blackout. Obendrein sind die Nachrichten verschlüsselt, niemand außer Sender und Empfänger kann Meshcore-Nachrichten lesen.

Ein Meshcore-Funkgerät kostet in einer einfachen Variante, wie bspw. das "Heltec-V3" - seit einigen Wochen gibt es "V4", was die Restbestände der "V3" leider nicht billiger gemacht hat, dafür ist vermutlich die Nachfrage nach diesen Dingern weltweit zu hoch -, zwischen 15 und 20 Euro; mit einer Stromversorgung aus einem 5V-USB-Netzteil, wie es typisch für das Handyladen genutzt wird. Zusätzlich mit einem Akku ausgestattet, worauf man nicht verzichten sollte, kostet ein Heltec-V3 10€ mehr. Statt eines Akkus kann bei Stromausfall spontan auch eine Powerbank angeschlossen werden. Mit einer 10.000mAh-Powerbank würde das Funkgerät wahrscheinlich einen halben Monat Tag und Nacht im Dauerbetrieb funktionieren. Insofern: Mit einem Heltec-V3 gelingt ein billiger Einstieg in Meshcore.

Es gibt feinere Lora-Funkgeräte. Ein zierlich-flaches Gerät wie bspw. das "Sensecap T1000-E" kann man in der Hosentasche bei sich tragen, hat einen kleinen Akku, der eine Betriebszeit für etwa 36h sicherstellt und kostet um die 50 Euro. Ein T1000-E wird offenbar gern von Standbetreuern auf Messen genutzt, in denen das Handynetz schnell überlastet ist. Das T1000-E enthält einen GPS-Empfänger; ein Freund nutzt ihn deshalb als Tracker, mit dem er den Auslauf seines Hundes verfolgt. Manche Nutzer haben das Gerät auch schon unter eine Drohne und Drachen montiert, um die Reichweite des Signals aus 100m Höhe zu erforschen; theoretisch können 70km erreicht werden, der Reichweiten-Weltrekord soll bei über 300km liegen. Ein Funkgerät in der Größe einer Zigerettenschachtel, ausgestattet mit 2000mAh-Akku und externem Antennenanschluss wie bspw. das "Wio L1 pro", das ich bei einem ernsthaften Einstieg zu kaufen empfehle, läuft mit dem Strom aus dem kleinen Akku gut 4 Tage. Das Wio K1 pro kostet zwischen 50 und 70 Euro. Ein Meshcore-Gerät, das mit Tastatur ausgestattet ist und ohne Handy-App läuft, wie bspw. das LilyGo T-Eck plus, kostet ab etwa 100 Euro.


Abb. 2: Typische Meshcore-Funkgeräte
heltec-V3, T1000-E, Wio L1 (Stand: 2025/12)

Meshcore-Funkgeräte lassen sich in drei Funktionen einsetzen: Als "Nutzer" ("Compagnion"), als "Repeater" und als "Room-Server". Nutzer-Geräte sind Meshcore-Funkgeräte für Nutzer*innen. Ein Meshcore-Funkgerät eines Nutzers oder einer Nutzerin nimmt über Bluetooth die Nachrichten der Meshcore-App entgegen und verschickt die Nachricht zumeist an den nächstgelegenen Meshcore-Repeater. Ein Funkgerät, das als Repeater eingerichtet ist, empfängt Nachrichten von Nutzer*innen und sendet sie weiter; vielfach werden Nachrichten über eine ganze Kette von Repeatern bis zur Empfängerin dieser Nachricht weitergereicht. Man darf durchaus damit rechnen, dass Nachrichten in einer Stadt in Europa auf diese Weise 25km transportiert werden. Unter besonders guten Standortbedingungen von Repeatern, etwa auf Türmen oder Bergen, sind auch sehr viel größere Reichweiten drin. Repeater werden von Freiwilligen betrieben. Room-Server sind eine Art Mailbox, die theoretisch sinnvoll, in der gegenwärtigen Umsetzung aus meiner Sicht aber noch nicht sonderlich nützlich sind, weshalb ich dazu nichts weiter ausführe.

Jede/r Nutzer*in kann sich berufen fühlen, einen Meshcore-Repeater zu betreiben. Das machen viele Nutzer*innen nach einiger Zeit ohnehin, um die Reichweite ihres Compagnions zum nächsten Repeater zu verbessern. Der Compganion befindet sich dabei in der Wohnung oder im Haus, gut per Bluetooth vom Handy aus, über ein paar Meter auch durch Wände und Decken, erreichbar. Und ein Repeater wird möglichst hoch unter dem Dach des Hauses aufgestellt. Ein solcher zusätzlicher Repeater kann dann auch von Nachbarn im Umkreis mehrerer Hundert Meter genutzt genutzt werden. Ich betreibe für mein Dorf einen solchen Repeater außen am Antennenmast meiner Satellitenschüssel montiert, in etwa 10m Höhe. Dieser Repeater deckt mein Dort ab und ist ganz leise aber gerade noch ausreichend in drei benachbarten Städten im Norden, Süden und Westen zu hören. Mit einem guten Standort in der Stadt (Wohnung im oberen Stockwerk) und jeweils einem Repeater in der Nähe, werden in meinem Fall Nachrichten über eine Kette von 2 Repeatern und über eine Länge von ca. 25km ausreichend verlässlich transportiert. Ich halte auf diese Weise gesicherten Kontakt in die Stadt zu Freunden und Familienangehörigen. Diese Kette wird hoffentlich auch dann halten, wenn es wirklich mal drauf ankommt. (Es gibt trotz oder wegen des reinen Privatengagements bei den Repeaterbetreiben in meinem Umkreis einen gewissen Ehrenkondex, den Betrieb auch unter schwierigen Bedingungen aufrecht zu erhalten. Erste Videokonferenzen fanden unter uns statt.)

Zur Strahlenbelastung ein Wort, weil man manchmal skeptische Menschen, die bspw. einen Zugang zu interessanten Repeater-Standorten wie einem hohen Kirchturm haben, von der Ungefährlichkeit dieser Geräte überzeugen muss. Meshcore-Funkgeräte erzeugen keine nennenswerte Strahlenbelastung. Die Strahlungsenergie beim Senden von 100 mWatt für nur wenige Sekunden pro Minute Sendebetrieb ist ein Bruchteil bspw. der Strahlenbelastung, die von einem Handy oder WLAN-Router mit bis zu 3000mW ausgeht. Eine funzelige Beleuchtung eines Fahrrads braucht bspw. 2000 mWatt. Also: Wenn die Kirche eine Aufgabe hat, dann ja wohl, die Kommunikation unter Menschen zu fördern. Der Prompt "Gibt es ein theologisches Argument innerhalb der christlichen Kirche, mit dem der Zugang zu Kirchtürmen für Meshcore-Repeater begründet werden könnte?" warf ein überzeugendes Konzept aus. Sehr schön fand ich daraus die Formulierungsidee: "Wir verstehen Technik als Gabe, die wir verantwortungsvoll nutzen wollen, um Menschen zu verbinden. Ein Repeater auf dem Kirchturm ist Ausdruck dieser Haltung."


Abb. 3: Überreichweite, die Karte
zeigt Stationen, die nahe Kiel über
Tag empfangen wurden.

Ein Meshcore-Funkgerät muss, wie ein Radio, für den Empfang zum Zeitpunkt angeschaltet sein, an dem die Nachrichten abgesendet wurde; sie wird nirgends wie eine Mail, eine SMS oder eine Signalnachricht zwischengespeichert. Wenn eine Nachricht nicht zugestellt werden kann, wird das dem Sender allerdings auch mitgeteilt. Die Geräte müssen angeschaltet sein, die App muss nicht die ganze Zeit laufen. Also: Die Geräte selber speichern die Nachrichten und zeigen sie entsprechend an, wenn man sich mit dem Handy mit ihnen verbindet. Weil diese Geräte so wenig Strom verbrauchen, lassen sie sich gut an einem kleinen USB-Netzteil irgendwo ins Haus oder die Wohnung im Dauerbetrieb hinstellen. Die Betriebskosten liegen in diesem Fall auch mit viel Senden bei höchstens 5 Euro im Jahr. Ich plädiere für Dauerbetrieb und es im Alltag zu benutzen, einfach um den Umgang damit zu üben. Ideal wäre: Aufbauen, anschalten, testen, ordentlich hinstellen und das Gerät vergessen, man ist anschließend wie mit jedem anderen Messenger jederzeit erreichbar. Bei meinen Familienangehörigen in der Stadt steht das Teil in einem kleinen Vorratsraum, auf einem Bord über der Waschmaschine, mit getestet ausreichendem Kontakt zum nächsten Repeater, der auf einem Hochhausdach in ca. 1,5 km Entfernung lauert. Im Krisenfalle würde das Funkgerät ins Fenster, ausgerichtet zum Repeater, gestellt, um die Sendeempfangsbedingungen zu optimieren. Denn im Krisenfalle ist damit zu rechnen, dass nicht nur das Handynetz zusammenbricht, auch das Meshcore-Netz könnte stark beansprucht werden, das eigene Signal sollte stark sein. In solchen Situationen ist es ein Gebot des Anstands, Netzinfrastrukturen effizient und nicht fürs Plaudern zu nutzen. Wenn man als einer der ganz wenigen Menschen Meshcore hat und es funktioniert, sollte man es im Krisenfall auch benutzen.

Es gibt inzwischen viele Webseiten mit Einführungen zu Meshcore. Weil es sich um eine relativ junge Entwicklung handelt - der Standard wird als Open Source entwickelt, die App für Android, die ich gleich zeige ist nicht Open Source; inzwischen soll es auch eine erste OpenSource-App geben -, sind diese Einführungen recht techniklastig. In diesen Einführungen unterrichten sich die Pioniere gegenseitig darüber, wie diese Funkgeräte grundsätzlich funktionieren, wie man sie unter verschiedenen Bedingungen ingangsetzt und konfigurieren sollte.

Die Meshcore-App

Nachfolgend zeige ich wesentliche Funktionen der App.


Abb. 4: Oberfläche der Meshcore-App nach dem ersten Öffnen

Meshcore-App installieren, kontrollieren, ob auf dem Handy Bluetooth aktivitiert ist, App starten, es wird einem beim Start in der App das Funkgerät angezeigt. Bei der allerersten Kontaktaufnahme muss der Bluetooth-Code, den das Funkgerät zur Authentifizierung verlangt, einmal eingegeben werden. Dieser Code lautet vielfach "123456", manchmal sind es auch Zufallszahlen. Nach der Ersteingabe wird bei den weiteren Nutzungen der App keine Code-Angabe mehr verlangt, die Geräte verbinden sich sofort.

Das Funkgerät muss vor der ersten Nutzung konfiguriert werden. Man muss die Frequenz und das Format einstellen, mit dem es funken soll. Um das Gerät zu konfigurieren, muss man in der oberen Reihe der App rechts das Zahnrad antippen. Im Fenster, etwa in der Mitte des Fensters angeordnet, findet sich die Option "Choose Preset". Es hat sich in den letzten Wochen in Deutschland unter den Repeater-Betreibern das Format "UK/EU (narrow)" als Standard-Format herausgebildet.

Das war es, um loslegen zu können. Alle anderen Einstellungen des Geräts kann man erst einmal so belassen wie voreingestellt. Mit zunehmendem Verständnis möchte man einige Einstellungen ändern bzw. diese an die eigene Situation besser anpassen, wie bspw. die Anzeige des eigenen Standorts in Karten und dergleichen.

So, und nun will man als Einsteiger eigentlich nur erst einmal erkennen, ob man die Repeater oder die Funkgeräte anderer Nutzer empfängt und ob das eigene Funkgerät überhaupt funktioniert. Dazu kann man nun einfach mal warten, ob was passiert.

Warten kann heissen: Die App auf dem Handy beenden, aber das Funkgerät weiter laufen zu lassen und in ein paar Stunden über die auf dem Funkgerät nachschauen, ob sich zwischenzeitlich was getan hat. Zumindest wenn man sich nicht ganz allein fernab der Zivilisation in einer Wüste befindet, wird man nun ein paar Stationen in der Contacts-Liste finden. Und manchmal wird man auch ein paar Zeilen im Public-Channel lesen. Man kann vor dem Beenden der Meshcore-App und dem Warten jedoch einen so genannten "Advert" (übersetzt: "Bekanntmachung") abschicken. Dazu klickt man oben auf das 3. Symbole von Rechts, auf den doppelt eingeklammerten Punkt und im sich anschließend öffnenden Fenster auf die Option "Advert - Flood Routed". Nach Antippen werden alle Repeater in Deiner Nachbarschaft, auch die benachbarten Repeater der Repeater, über die Existenz Deines Funkgeräts in Kenntnis gesetzt. Dieses überfallartige Verschicken von ungerichteten Nachrichten über viele Repeater hinweg wird Fluten ("Flood") genannt. Dieses Fluten ist eine charakteristische Eigenschaften sogenannter Meshnetze; Meshnetze organisieren sich auf diese Weise selber, es muss keine steuernde Verwaltungsinstanz geben, die die verschiedenen Rollen und Funktionen zuweist. Sowohl Adverts als auch die Nachrichten werden bei Meshcore vielfach in diesem Flood-Modus verschickt, sofern die Nutzer*innen den Pfad über die Repeater hinweg bis zum Empfänger der Nachricht nicht explizit angegeben haben. Repeater merken sich solche Pfade zu benachbarten Repeatern und Funkgeräte nach erfolgreichen Floods automatisch.

Die Regel für das Auslösen von Adverts durch Nutzer*innen lautet: Wenn ein neuer Standort des Funkgeräts eingenommen wird, dann einmal(!) einen Advert abschicken. Einmal am Tag, reicht; oder auch nur einmal in der Woche, in ruhigen Umgebungen, in denen nur selten neue Geräte hinzukommen. Einen advert muss man immer dann verschicken, wenn Geräte für einander erreichbar sein sollen. Man hat als Nutzer keine (Mail-)Adresse, keine Telefonnummer, keinen Namen, die Geräte müssen füreinander erreichbar sein. Vollkommen sinnlos ist es, alle 10 Minuten einen Advert zu verschicken. Genau das habe ich am Anfang gemacht, für das ich mich dann ein paar Tage, als ich die Funktion verstanden hatte, schämte. Im Dorf, mit wenig Meshcore-Kommunikation fällt das nicht weiter auf, in der Stadt, in der man 40 50 direkt erreichbare Meshcore-Nachbarn haben kann, macht ein solches Verhalten das Netz kaputt. Eine vernehmbare Reaktion bekommst Du auf einen Advert zunächst eher nicht, obwohl auch hier erste Bots Einzug gehalten haben, die immer auf jede Regung reagieren. Repeater verschicken solche Adverts automatisch regelmäßig, das ist auch sinnvoll. Wenn Dein Gerät entsprechend konfiguriert ist, werden Dir die Funkgeräte, die Adverts geschickt haben, in der Contacts-Liste angezeigt. Wenn die Betreiber eines Repeaters neu im Geschäft sind, dann konfigurieren sie sie gern so, dass sie einen Advert pro Stunde verschicken. Wenn Repeater bekannt sind, dann reicht auch ein advert am Tag. Etablierte, bekannte Repeater müssen nicht ständig auf sich aufmerksam machen, neue Nutzer schon. Mein Dorf-Repeater schickt einen Advert einmal am Tag. Damit Kommunikation gelingen kann braucht es... [Tiefsinn] vor allem Ruhe ... und ... Zuhören [/Tiefsinn]. Gerade am Anfang ist es schön, wenn man sieht, dass sich irgendwas im Netz tut, man drückt und tut und sendet... Geh mal davon aus, dass alles mit Deinem Gerät okay ist, Dein Gerät funktioniert ganz bestimmt, und es wird Repeater in Deiner Nähe geben, hab Geduld. Wenn man nach 48h nichts gesehen hat und man doch vermuten muss, dass man in seiner Gegend ganz allein hockt, kauft man sich halt zwei Geräte und fängt an, untereinander Nachrichten zu verschicken. So gelang mein Einstieg, ich war zu früh dran, es gab noch keine erreichbare Infrastruktur mit Repeatern. Der Durchbruch für das Verständnis kam in der benachbarten Stadt, in die ich meinen Compagnion mitgenommen hatte. Mit einem Mal füllte sich die Contacts-Liste, ich hatte schon nicht mehr daran geglaubt.


Abb. 5: "Contacts", die Liste mit Kontakten

Und wie kommuniziert man nun?

Für Kommunikationen kann man sich auf die Schalter der unteren Reihe der App konzentrieren. Konfigurationen oben, Kommunikation unten.

Unten ganz rechts kann man "map" antippen. Es öffnet sich ein Browser mit Karte, in die die Standorte der Stationen, die in der Contacts-Liste aufgeführt sind, automatisch eingetragen werden. Das ist natürlich eine sehr komfortable Übersicht, um die Reichweite für eigene Nachrichten abschätzen zu können. Beim ersten Aufruf der Karte wirst Du vermutlich noch keine Station sehen, das wird sich aber ändern.

Dann folgt in der Mitte "Channels" und links "Contacts", zunächst zu Contacts.

Unter Contacts werden alle Repeater und alle Funkgeräte, die man empfangen hat, aufgelistet. Es werden in der linken Spalte drei Typen von Symbolen gezeigt: Repeater, Nutzer und Rooms. Wenn zusätzlich ein orangener Stern am Symbol befestigt ist, handelt es sich um einen Repeater, den ich in meiner App meiner Favoritenliste zugefügt habe, weil ich der Übersicht wegen nur Favoriten angezeigt bekommen möchte und nicht alle möglichen Stationen von irgendwo.


Abb. 6:
Die drei Typen
von Kontakten

Klickt man auf einen Nutzer, dann öffnet sich ein Chatfenster, das genau so aussieht, wie man es von vielen Messenger-Apps kennt. Man schreibt eine Nachricht von max. 150 Zeichen Länge an diese*m Nutzer*in. Und erhält nach ein paar Sekunden eine Bestätigung darüber, dass die Nachricht empfangen wurde ("delivered"). Nutzer werden in Contacts gelistet, nachdem sie einen advert geschickt oder nachdem sich die Nutzer über ihre Handy direkt miteinander bekannt gemacht haben, bspw. über QR-Codes. Das ist wichtig am Anfang, ich wiederhole es noch mal mit Nachdruck: Um Nachrichten tauschen zu können, müssen die Funkgeräte der Nutzer einander bekannt sein, also beide Geräte in beiden Contacts-Listen enthalten sein. Und das hat einen sehr guten Grund: In Meshcore werden alle Nachrichten verschlüsselt geschickt; Dritte die diese Nachrichten ebenfalls empfangen, können die Inhalte der Nachrichten nicht enschlüsseln bzw. verstehen. Dieses bereits Bekanntsein ist gleichbedeutend mit: Es wurden die beiden Verschlüsselungsschlüssel ("pub keys") ausgetauscht. Die eindeutigen Namen der Geräte entsprechend ihren eindeutigen public-keys.

Damit man alle relevanten Kontakte zu Nutzer*innen zunächst einsammelt, um sich Nachrichten zuschicken zu können, sollte man im App-Fenster oben auf das Zahnrad tippen und dann unter "Contact Settings" bei der Option "Auto Add Contacts" ein Häkchen setzen. Am Anfang freut man sich, dass sich die Liste füllt. Mit der Zeit sind viele Kontakte irrelevant, insbesondere wenn man in der Stadt wohnt. Wenn das der Fall ist, lassen sich Einträge natürlich einfach löschen; und besonders wichtige Kontakte lassen sich als "Favorits" markieren. Aber man muss dran denken: Keine Nachricht an jemanden, der nicht in den Contacts steht.

Klickt man auf einen Repeater, werden einem die Eigenschaften des Repeaters angezeigt, u.a. der Namen, der Standort, wann man zuletzt von ihm gehört hat oder wie viele Hops er entfernt ist. Besonders interessant ist links oben die Option "Manage". Klickt man die an, kann man sich Zutritt zum Repeater verschaffen, um ihn zu konfigurieren. Wenn es der eigene Repeater ist, kann man ein Passwort eingeben, das man bereits bei der Installation des Repeaters setzen musste. Nach 10 Sekunden Warten kann man viele Eigenschaften eines Repeater konfigurieren. Das ist eine sehr gute Lösung, wie so viele andere Lösungen von Meshcore auch, weil man auf diese Weise Repeater auch an schwer zugänglichen Standorten aufstellen und pflegen kann.


Abb. 7: Channels, die Liste mit Kanälen,
zu Beginn gibt es nur den Kanal "Public",
der von allen Meshcore-Nutzer*innen
weltweit genutzt wird (keine Sorge, man
sieht nur die Nutzer*innen der näheren
Umgebung.)

Nun zu den Channels.

Klickt man zum ersten Mal auf Channels, öffnet sich ein Fenster, in dem nur ein einziger Channel gezeigt wird nämlich "Public". Dieser Channel ist standardmäßig auf jedem Meshcore-Funkgerät vorinstalliert.

Public ist ein öffentlich zugänglicher Kanal für alle Meshcore-Nutzer*innen. Hier kann man bspw. mal ein "Hallo" eintippen und gucken ob was passiert. Weil am Anfang Nutzer vor allem an ihrer Reichweite interessiert sind, könnte man etwas sinnvoller ein "Hallo aus XXX, kann das jemand lesen?" verschicken. In der Hoffnung, dass sich jemand erbarmt, der sich an seine eigenen ersten tapsigen Schritte in Meshcore erinnert und ein paar nette Worte zurück schreibt. In großen Städten kann hier sehr viel geplappert werden, in kleinen Dörfern kann dieser Kanal geeignet sein, um die gesamte Dorfkommunikation darüber abzuwickeln.


Abb. 8: Die Optionen unter den drei
Punkten rechts oben

Man kann private Kanäle einrichten, um mit einer einzigen Nachricht unterschiedliche Gruppen von Menschen exklusiv zu erreichen (Freunde, Nachbarn, Familie, Kolleg*innen). Neue Channels muss man einrichten. Zum Einrichten richtet man den Blick in der App wieder nach oben, und klickt dort ganz rechts auf die drei übereinander angeordneten Punkte. Es öffnet sich ein Fenster mit der Option "+ Add Channel", woraufhin sich ein weiteres Fenster öffnet, mit einer Auswahl an vier verschiedenen Typen von Channels (siehe Abb. 9).


Abb. 9: Kanal-Typen

Einen "Privat Channel" würde man typischerweise für vertrauliche Kommunikation einrichten, klar. Alle Nachrichten in Meshcore sind verschlüsselt, und in unterschiedlichen Kanälen wiederum auch unterschiedlich verschlüsselt. Das Konzept zur Einrichtung von Kanälen sieht deshalb wie folgt aus: Mit dem Einrichten eines Kanals wird ein Verschlüsselungsschlüssel erzeugt, wobei ein Schlüssel aus einem 128 Zeichen langen Buchstabensalat besteht. Alle Nutzer*innen, die über diesen gemeinsamen Buchstabensalat-Verschlüsselungsschlüssel verfügen, können den Kanal gemeinsam benutzen. Also muss man dafür sorgen, dass der Schlüssel an alle anderen Mitglieder der Gruppe gelangt. Jede/r kann dem Kanal dadurch "beitreten", indem sie die "Join a private Channel" antippen und in dem vorgesehen Feld diesen Schlüssel kopieren. Man kann diesen Schlüssel bspw. per E-Mail oder einem anderen Messenger verschicken bzw. erhalten. Oder man kann, wenn man irgendwann mal zusammensitzt, auch den QR-Code des Schlüssels einlesen. Ich habe das so gemacht, dass ich auf meinem Handy die Funkgeräte meiner Freunde eingerichtet hatte, dort den Schlüssel kopierte, aus dem ersten Funkgerät ausgeloggt, ins zweite Funkgerät eingeloggt, und nach "Join the private Channel" den Schlüssel dort in das vorgesehene Feld reinkopiert hatte. Das war es schon.


Abb. 10: Kanal-Namen vergeben
und den Schlüssel mit dem
Buchstabensalat bei
"Secret Key (hex)" eintragen

Mit "# Join a Hashtag-Channel" wird bei Meshcore ein Problem gelöst, das zwischen privat und öffentlich liegt: Man möchte im Prinzip alle Nachbarn spontan erreichen können, die man gar nicht so richtig kennt, schon gar nicht mit Namen, und für die es einfach zu kompliziert wäre, einen gemeinsamen eigenen "Private Channel" einzurichten. Für mein Dorf habe ich deshalb "#Dorfname" eingerichtet. Die Folge: Alle Nutzer, deren Funkgeräte sich vorher schon einmal, bspw. aufgrund eines adverts, gehört hatten, können in diesem Channel schreiben und einander lesen. Das ist eine richtig gut funktionierende Lösung, die für die Durchdachtheit des gesamten Meshcore-Konzepts steht. Natürlich muss man wissen, welche #-Tags es in der Umgebung so gibt, man kann sie in Städten bzw. Stadtteilen einfach leicht erraten; man kann solch einen Kanal-Bezeichner natürlich auch über den Public Channel verschicken. Außerdem hat sich offenbar die Verwendung für "#ping" eingespielt, um Reaktionen von anderen Nutzer*innen, oder vielleicht auch bots?, zu erbitten.

Mir ist aufgefallen, dass Nachrichten an einzelne Nutzer*innen sicherer zugestellt werden als an die Nutzer*innen in einer Gruppe. Ich benutze Channels nur für mein Dorf, Nachrichten an Personen schicke ich lieber direkt. Da weiss ob sie angekommen ist oder nicht. Außerdem setze ich bei Nutzer*innen, mit denen ich stabil chatte, die Pfade über die gesamte Repeaterkette hinweg von Hand, denn auch das macht den Nachrichtentransport berechenbarer. Flooding wird so vermieden und die mir heilige Ruhe im Netz nur aufs Unvermeidliche gestört.


Abb. 11: Settings, Einstiegsbildschirm
Dort können Name und GPS-Position
von Hand eingetragen werden.
Wichtig: "Choose Preset"!

Das war die wesentliche Konfiguration und Funktion eines Meshcore-Funkgeräts mit der Android-App. Zurück noch mal zur Grundkonfiguration der "Settings", dort lässt sich viel Interessantes einstellen. In die Grundkonfiguration gelangt man, wenn man oben auf das Zahnrad, zweites Symbol von rechts, tippt.

Scrollt man im Setting-Fenster ganz nach unten, findet sich die Option "Device Info". Nach Antippen wird man über die Auslastung des zur Verfügung gestellten Speichers des Funkgeräts informiert. Ich hatte diese Info relativ spät entdeckt, einige Funkgeräte bieten oft nur erstaunlich wenig Speicher für Daten. Wenn wie beim T1000-E nur 100kB zur Verfügung stehen, lassen sich nicht allzu viele Kontakte und Chatverläufe speichern.

Den "Namen", den man anfangs bestimmt, den das Funkgerät trägt und der im Netz angezeigt wird, kann man jederzeit ändern. Ich habe bei inzwischen wohl mehreren Hundert Kontakten, die ich in Contacts gelesen habe, noch nie "Vorname Nachname" gelesen, obwohl das vom Konzept her nahe liegen könnte: Ein Gerät = eine Nutzer*in. Allerdings geben Funkamateure hier gern ihr Rufzeichen an, andere verweisen auf ihre Webseite oder ihre Mailadresse Letzteres kann sinnvoll sein insbesondere in Gegenden mit wenig Funkverkehr. Dort besteht verstärkt die Neigung, Kontakt zu anderen Nutzer*innen zu suchen, damit man sich gegenseitig helfen kann, um das Repeater-Netz in seiner Umgebung aufzubauen.


Abb. 12: Radio Setting, das sich
als Standard in der EU festigt:
"EU/UK (Narrow)"

Etwas fortgeschrittenere Nutzung...

Meshcore und Meshtastic - Meshtastic ist ein anderer, aktuell sogar noch etwas verbreiteter Vernetzungsstandard mit dem gleich Typen an "Lora"-Funkgeräten - funktionieren naheliegenderweise nur dann wirklich gut, wenn ein Netz von Repeatern eine weiträumige Nutzung selbst bei schlechten Standorten der Nutzer*innen ermöglicht.


Abb. 13: Heltec-V3, wird typisch als
"Package" verschickt, was Kosten
spart. Die drei Teile
(Platine, Antenne, Gehäuse)
zusammenzusetzen ist trivial.

Ein sehr nützlicher Befehl, der auch bei mäßiger Nerdneigung für stundenlangen Spaß sorgen kann, ist "trace", der wie ein "ping" über mehrere Repeater hinweg funktioniert. Wenn man Reaktionen von Repeatern auslösen möchte, dann nutzt man am besten "trace". Ein "advert" auszusenden oder einen "ping (zero)" auszulösen hilft wie gesagt nicht. Dazu die drei Punkte rechts oben antippen, dann "Tools", dann "Trace Path Manual". Danach kann man im Eingabefeld die Kette an Repeatern angeben, von denen man testen möchte, ob man sie erreicht. Beim ersten Mal die Meshcore-Map öffnen und dort nach einem Repeater Ausschau halten, von dem man annehmen kann, dass er vielleicht erreichbar ist. Dafür gibt es im Internet die Meshcore-Map (Sind Repeater in der Nähe? https://meshcore.co.uk/map.html).


Abb. 14: Sondertools

Auf der Karte den gewünschten Repeater in der Nähe antippen und anschließend die ersten beiden Zeichen des "Public Key" merken. Diese beiden Zeichen dienen als Namen der Repeater, sie lassen sich für die Pfadliste von trace nutzen. Jeden Abend mache ich einmal kurz den Test, ob "meine" Repeater in den drei Nachbarstädten erreichbar sind. Ich gebe dafür die ersten beiden Zeichen des "Public Keys" eines Repeaters für den Hin- und den Rückweg ein. Konkret: Von meinem Hausrepeater "b9" ausgehend gebe ich den für mich wichtigsten Repeater in Kiel an ("18"), die Kette lautet insgesamt "b918b9". Oder wenn ich einen Nutzer, vergraben zwischen den Häuserwänden in der Gartenstraße in Kiel, dessen Repeater dort ein "9b" hat, erreichen möchte, teste ich den Pfad bis zur Gartenstraße mit "b918569b5618b9". Man muss damit rechnen, dass ein solch langer Trace über hin und zurück 7 hops nicht heil durchkommt, mehrere trace-Versuche können nötig sein. Damit solch ein Versuch gelingt, muss jeder der beteiligten Repeater darauf warten, einzig und allein meinen Trace bedienen zu dürfen. Bei den wichtigen Repeatern einer Stadt ist das unwahrscheinlich, dass sie unterbeschäftigt sind. Wenn man weiss, wie gering die Sendeleistung ist, dass die Sendezeiten in diesem Funkstandard zeitlich beschränkt sind, dass ingesamt eine Luftlinie-Entfernung von 22km besteht und der Empfang zwischen Häuserschluchten funktechnisch sowieso immer ein Problem darstellt, und dass die Zahl an Meshcore-Nutzer*innen, die die wenigen lauten Repeater einer Stadt nutzen, zunimmt, dann ist diese leicht erratische Antwortverhalten zu verschmerzen. Es gilt aber auch: Eine Nachricht nur einmal zu einem Empfänger in die Gartenstraße hin zu transportieren bedeutet, dass nur die Hälfte der Kette für den Moment des Hintransports halten muss, was die Wahrscheinlichkeit der Ankunft einer Nachricht schon mal verbessert. Und zugleich lernt man bei ernsthafter Anwendung, dass eine gelingende Kommunkation, vom Sender initiiert, drauf angewiesen ist, dass ein Text wie "ok empfangen" vom Empfänger zurückgeschickt wird.


Abb. 15: Konfiguration von 4 Geräten
Weihnachtsgeschenke für Freunde

Wenn man mit der Zeit die funktionierenden Standard-Pfade zu seinen Kommunikationspartnern kennt, dann sollte man sie in diesen 2-Buchstaben-Notationssequenzen in den Nutzer-Einträgen unter Contacts so auch eintragen. Man muss aber aufpassen: Wenn man an "Settings" unter "Messing Settings" die Option "Auto Reset Path" ein Häkchen setzt, dann werden die von Hand gesetzten Pfadangaben in den Fällen überschrieben, in denen die Zustellung einer Nachricht 5 Mal fehlschlug und durch Flooding ersetzt. Flooding ist flexibel, aber es werden dann nur 3 Versuche der Zustellung einer Nachricht gemacht. Ich habe das Häkchen hier nicht gesetzt, denn bei "heiklen Langstrecken" habe ich beobachtet, dass von Hand gesetzte Pfade und 5 Versuche zu besseren Erfolgen bei der Zustellung führen als Flooding. In einer unbekannten Umgebung ist flooding zu nutzen sinnvoller.

Unter "Settings/Notification Settings" kann man einstellen, ob man vom Handy im Falle neuer Meshcore-Nachrichten benachrichtigt werden möchte. Klar, beim Eintreffen von Nachrichten an mich will ich das, so wie bei anderen Messengern auf meinem Handy auch. Allerdings sollte man überlegen, ob man auch bei jeder Channel-Nachricht benachrichtigt werden möchte, was bei "Public"-Nachrichten im städtischen Umfeld meist nur am Beginn der Beschäftigung mit Meshcore interessant ist. Bei ernsthafter Nutzung von Meshcore tatsächlich anhaltend interessant können Nachrichten sein, die in "rooms" (Mailboxen) hinterlegt werden, in denen man selbst eine Nachricht hinterlegt hat.

Ich gucke auch gern mal in die Logdaten, in denen mitgeschrieben wird, was in meinem Funkgerät alles passiert, was einem aber nicht angezeigt wird. Mit dem Verlassen der App werden diese Logdaten gelöscht. Man kann in diesen Logdaten bspw. erkennen, über welche Repeater Nachrichten weitergeleitet wurden (Logdaten: Drei Punkte rechts oben antippen, dann "Tools", dann "Rx Log"). Meshcore-Nachrichten verlieren mit jedem Weiterreichen an Qualität, die wesentliche Qualität eines Funksignals ist der Signal-Rauschabstand, SNR, wobei ein SNR von 0 bedeutet, dass das Signal und das Rauschen etwa gleich deutlich sind. Signale dürfen so zwischen -13dB und +13dB liegen, bei den traces werden diese Messwerte ausgegeben. Die maximale Hop-Zahl ist auf 64 limitiert. Selbst wenn jede einzelne Hop-Verbindung sehr gut ist (z.B. 10 dB oder besser), steigen mit jedem Hop Verzögerung und Kollisionswahrscheinlichkeit im Funkkanal. Dazu kommen typischerweise Beschränkungen, die die Sendezeit der Repeater begrenzen und lange Ketten unattraktiv machen. Ziel ist es, den Frequenzkanal für alle Nutzer freizuhalten und Kollisionen zu vermeiden. Wenn man dieses Hintergrundwissen hat, versteht man, dass man sich in den Chats möglichst kurz fassen sollte.

Wie schon gesagt, es darf sich jede/r berufen fühlen, einen Repeater zu betreiben. Ein weitgehend autonomer Repeaterbetrieb verlangt geringen Stromverbrauch. Und das bedeutet auf Hardware-Ebene bspw. einen "SX126x" als energieeffizienten LoRa-Transceiver, der LoRa- und FSK-Modulation mit bis zu 22 dBm Sende(TX)-Leistung und niedrigem Empfangs(RX)-Stromverbrauch von ca. 4,2 mA bietet, zu nutzen. Und als Prozessor sollte ein "nRF52xxx" verbaut sein, der über GPIO, Timer und Radio und eine ARM-CPU mit integriertem Bluetooth (extrem stromsparend, im Sleepmodus kleiner als 1 µA!) verfügt. Genau diese Komponenten sind im "Seeed Studio SenseCAP Solar Node P1-Pro" verbaut, den ich als Repeater aufzubauen empfehle. Der P1 ist, inzwischen getestermaßen, wasserdicht und funktioniert, Dank eines kleinen Photovoltaik-Panel und 4 Akkus vom Typ 18650 (mit Polspitze!), autark. Ab und an etwas Fernwartung, das war es an Versorgung und Pflege. Oder man vergisst ihn einfach; dezent montiert auf einem Hochstand für Jäger*innen am Feldesrand in funkstrategisch hervorragender Lage einer Anhöhe mit weitem Blick übers Land. Man kann generell durchaus die Billigversion des P1 ohne GPS nehmen; bei lokalem Betrieb trägt man die obligatorischen Positionsdaten des Repeaters halt von Hand ein. Bis zu dieser Ausbaustufe bekommt man das gesamte Ensemble inkl. Akkus für unter 100€, mit einer kleinen Antenne. Wenn man eine stabilere Antenne montieren möchte, kämen noch mal rund 50 Euro dazu. Die Entwicklerszene von Meshcore ist allerdings agil. Aktuell sieht es deshalb so aus, dass man vielleicht zwei Mal im Jahr dann doch an den Repeater ranmöchte, um über die USB-Schnittstelle ein Update aufzuspielen. Ich mache das mit einem Laptop, auf das ich zuvor die Formware kopiert habe und mit dem ich zum Repeater aufs Dach gehe. Beim USB-Connect zwischen Laptop und Repeater öffnet sich ein Dateifenster, in dem die alte Firmware des Repeater angezeigt wird. Dann kann man schlicht die neue Firmware-Version auf das Gerät kopieren. Der Repeater resettet anschließend und läuft danach auf der neuen Firmware, mit der alten Config. Über die Fernwartungsoption für den Repeater, die ich auf meinem Compagnion starte, lassen sich dann ggfs. neue Optionen des Repeaters einstellen.

Es gäbe noch einiges mehr anzusprechen. Stattdessen noch ein knappes Wort zu dem "Konkurrenzprojekt" Meshtastic: Ich war mit Meshtastic, nach einem Artikel in der Septemberausgabe der CT 2025, in diesen Thema gestartet. Die Anfänge von Meshtastic waren vielversprechend, Nutzergeräte die zugleich Repeater sind fand ich außerdem konzeptionell pfiffig. Allerdings war es bei Meshtastic über einige Wochen nicht möglich, einen mir wichtigen Nachrichtentransport über 25km umzusetzen, was nach dem Umstieg auf Meshcore fast auf Anhieb gelang. Ich bin von Meshcore überzeugt, denn inzwischen denke ich, dass im Zweifel Ruhe (= nur begrenzte Zahl von Repeatern wie bei Meshcore) mehr Resilienz verspricht als Lautstärke (möglichst viele Repeater wie bei Meshtastic). Das ist letztlich keine Glaubenssache, sondern lässt sich beforschen, nur habe ich dazu noch keine Studie gefunden. Vielleicht irre ich mich auch und Meshtastic ist leistunsgfähiger und resilienter. Im Moment sieht es so aus: Es können beide Netze gut nebeneinander bestehen, was wiederum die Resilienz der von Bürger*innen selbst organisierten Netzinfrastrukturen insgesamt steigert: Funktioniert ein Netz nicht, gibt es das andere.

Fazit: Es handelt sich bei Meshcore, den Funkgeräten und der App, nicht um ein Consumer-Produkt; man muss sich damit, wenn es verlässlich funktionieren soll, schon ein wenig beschäftigen. Erfahrungsgemäß haben Viele keine Lust dazu; der Überhang an Funkamateuren in der noch immer anhaltenden Pionierphase ist auffällig. Aber ein (Lora-)Nerd muss man dafür nicht mehr sein.