Martin Rost
Heinrich Ohm

Werksverzeichnis von Heinrich Ohm

Heinrich Ohm war ein Schriftsteller der plattdeutschen Sprache. Und außerdem war er mein Großonkel. Heinrich wurde am 19. August 1922 in Sophienhamm/ Oha, einem Dorf nahe bei Rendsburg in Schleswig-Holstein geboren. Er starb am 8. Juni 2011, im nur wenige Kilometer entfernten Friedrichsholm.

Heinrich war ein neun Jahre währender Besuch der einklassigen Dorfvolksschule vergönnt. Er war ein guter Schüler, mit Talent für Mathematik. Er arbeitete zunächst in der Landwirtschaft, bis er sich während der NS-Zeit wie so viele als Soldat verdingen musste. Nach der Gefangenschaft ging es zurück in die Landwirtschaft, die er Ende der 60er Jahre aufgab. Die Landwirtschaft war ihm, so sagte er hin und wieder, äußerlich geblieben. Nach verschiedenen Anstellungen, u.a. als Versicherungsvertreter und als Verkäufer von Landmaschinen, fing er dann als Rentner Ende der 1980er Jahre mit dem Schreiben an.

Heinrichs Bücher (Stand: 2011-0917)

Heinrichs erstes Werk war die Chronik seines Dorfes. Zuvor hatte er sich mit der Geschichte seiner Familie beschäftigt. Im Verlauf hatte er festgestellt, wie unzuverlässig das Nachvollziehenkönnen der biologischen Linie einer Familie allein anhand der Kirchenbücher war. Nachnamen wurden geändert und Vaterschaften deklariert. Namen waren auch vielfach einfach unleserlich, wenn der Pastor beim Eintragen möglicherweise nicht mehr ganz nüchtern war. Doch entscheidend war, dass er von vielen ihm zugetragenen Geschichten wusste, wonach biologische und soziale Vaterschaft viel häufiger als gemeinhin angenommen nicht wirklich deckungsgleich waren. Familiäre Konflikte und der Umgang mit persönlichen Katastrophen waren das Hauptthema der Erzählungen Heinrichs.

Die Chronik Sophienhamm Ein Kolonistendorf erschien 1991. Sie überraschte mich durch die hohe methodische Qualität. Heinrich recherchierte während seiner Arbeit an der Chronik häufig und gründlich im Landesarchiv von Schloss Gottorf. Mit dieser langwierigen Arbeit an der Chronik bemerkte er zum einen, dass ihm das Schreiben wichtig wurde. Zum anderen wurde ihm klar, dass er für das Schreiben von Texten die Vorteile einer Textverarbeitung nutzen sollte. Bei einem Geburtstagsbesuch sprachen wir über die Vorteile eines PC. Noch in der selben Woche trafen wir uns zum Kauf des Rechners in Kiel. Diese Offenheit für technische Entwicklungen, und das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, etwas gänzlich Unbekanntes in den Griff zu bekommen, hatten mich überrascht. Und doch ist dieser Pragmatismus typisch entweder für diese Generation oder den Menschenschlag dieser Gegend, in der das Überleben beschwerlicher war als in vielen anderen Gegenden Norddeutschlands.

Computerkauf war Ende der 80er Jahre noch etwas Besonderes. Heinrichs PC war ein 286er, der unter DOS lief, mit 640kB-Ram, 20MB-Festplatte, 2 Floppies. Die Textverarbeitung nannte sich Context. Context war weit entfernt von What-You-See-Is-What-You-Get, die Steuerzeichen für den Matrixdrucker waren im Text unterzubringen. Als Bedienoberfläche des Betriebssystems kam der Norton Commander zum Einsatz. Kosten für alles zusammen, gekauft bei Vobis: 1990 DM. Auf dieser Maschine tippte Heinrich sämtliche seiner Texte, meisten ohne die Geschichten mit Papier und Bleistift vor zu schreiben. In den drei vier Jahren vor seinem Tod gab es, zusammen mit seiner letzten deutlich jüngeren Freundin Annemarie, die den Einstieg in die Nutzung eines modernen PCs unter Windows bereits gefunden hatte, noch den Versuch, auf eine moderne Textverarbeitung wie Word umzuschwenken. Doch dieser Versuch des Umstiegs gelang nicht. So richtig durchdrungen hatte Heinrich seine Arbeitsumgebung auf dem PC ohnehin nicht. Gleichwohl war er in der Lage, selbständig Backups von seinen Textdateien anzufertigen. Parallel druckte er seine Geschichten immer auch auf seinem Matrixdrucker aus. Seine Ausdrucke verwaltete er allesamt in einer penibel geführten Liste.

In den folgenden 20 Jahren entstanden dann eine ganze Reihe an Erzählungen. Die Erzählungen sind literaturgeschichtlich dem Realismus zuzurechnen, so wie er Ende des 19. Jahrhunderts wegweisend von Fritz Reuter geprägt wurde. Ihm waren Themen und Stil von Fritz Reuter sehr viel näher als die humorigen Kurzgeschichten, wie sie im Rahmen beispielsweise der plattdeutschen Sendung im Norddeutschen Rundfunk "Hör mal'n beten to" stilbildend für Publikationen der plattdeutschen Sprache waren. Gleichwohl schätzte er Irmgard Harder, eine der Autorinnen, Redakteurinnen und Sprecherin dieser Sendung, von der er viel gelernt hatte.

Wie ernsthaft Heinrich Ohm an seine schriftstellerische Arbeit ging, zeigte sich früh daran, dass er sich, während er kleinere Schreibprojekte begonnen hatte, erst einmal seines Sprachmaterials versicherte. Er fertigte eine Sammlung der von ihm verwendeten plattdeutschen Worte an und vereinheitlichte deren Schreibweise für sich. Diese Wörtersammlung Heinrichs wurde nicht publiziert. Es finden sich Auszüge daraus im Anhang seiner Broschüre Schnacks ut Schleswig-Holsteen, die 1993 im Ohm-Verlag erschien. Er entwickelte sich inhaltlich und stilistisch zu einem Realisten, was ihn auch in der Nutzung des Sprachmaterials selber auszeichnete. Er bestand nicht darauf, in seinem eng-heimatlichen Plattdeutsch-Idiom zu schreiben. Dieses Idiom hatte sich exakt auf der Grenze zwischen dem Schleswigischen und dem Holsteinischen entwickelt, mit einer Tendenz eher zum Schleswigischen hin. Er wollte gelesen werden und suchte deshalb undogmatisch die Nähe zum sogenannten Radioplatt, das als moderates "Gesamtplattdeutsch" gilt.

Heinrich legte also mit "den Schnacks" im Eigenverlag los, der den in meinen Ohren durchaus klingenden Namen "Ohm-Verlag" trug. Natürlich war Heinrich bestrebt, seine sich bereits abzeichnenden ernsthaften Erzählungen in einem namhaften Verlag unterzubringen. Doch alle Verlage, zu denen er Kontakt aufnahm, erwarteten eine weitgehend vollständige Übernahme der wirtschaftlichen Risiken. Diesen Bedingungen wollte Heinrich sich aber nicht unterordnen. Also lernten Heinrich und ich sicherheitshalber erst einmal die Basics des Verlagshandwerks an dieser literarisch bedeutungslosen Schnacks-Sammlung. Heinrich besorgte sich einen Gewerbeschein, er sicherte sich beim "Verzeichnis lieferbarer Bücher" in Frankfurt das kleinste Kontingent an ISB-Nummern (50 Stück für etwa 50 DM) und wir fanden mit Hansa-Druck Kiel eine günstige Druckerei und Binderei, die vornehmlich von kleinen linken Projekten genutzt wurde. Wenn ich mich richtig erinnere, dann kostete die Produktion der Schnacks 3.41 DM pro Exemplar bei einer 300er Auflage. Gesetzt wurde dieser Text anfangs an einem AtariST-Computer, dann mit einem 386er unter Linux/Slackware mit LaTeX. Als Druckvorlage nutzten wir Papierausdrucke von einem auch für Privatpersonen bezahlbaren Epson-Laserdrucker in 300dpi-Auflösung.

Heinrichs Produktivität zog in den nachfolgenden Jahren an. Er hatte Kontakt zum Schleswig-Holsteinischen Heimatbund, insbesondere zu dessen Leiter Dr. Diercks, der Heinrichs Talent früh bemerkte und Heinrich ermunterte, die Schreibwerkstatt des Heimatbundes mit den namenhaften Dozenten Erich Andersen, Bolko Bullerdiek, Irmgard Harder und Andreas Schmidt zu besuchen. Heinrich folgte diesem Rat. 1995 dann war ein erster Höhepunkt im Schaffen von Heinrich. Heinrich erhielt für seine Geschichte Handwarksarbeit in dem vom NDR veranstalteten Hörerwettbewerb den 4. Preis. Diese Geschichte wurde in dem kleinen Band Bi de Arbeit" publiziert.

Weitaus wichtiger als dieser kleine Erfolg war Heinrich die Publikation des wohl ersten plattdeutschen Kriminalromans De Humannsche Röck, dessen Titel eigentlich "De Huhmannschen Röck" hätte lauten sollen. Ein Fehler. Außerdem weist die Grafik einen irritierenden Logikfehler auf, den mit dem ersten Blick zu finden ich gern dem Betrachter überlasse. Man spürt sofort, dass die Grafik nicht stimmen kann. Die Humannschen Röck wurden im November 1996 in der Landesvertretung Schleswig-Holsteins in Bonn vorgestellt. Es las Edgar Bessen, ein bekannter Schauspieldes des Ohnsorg Theaters Hamburg. Die Moderation der Veranstaltung hatte Gerd Spiekermann inne, ein Redakteur des NDR. Wenn ich es richtig erinnere, dann geht diese Erzählung auf eine Geschichte zurück, die sich alte Leute aus der Gegend um Alt-Duvenstedt erzählten, wonach eine ältere Frau im Moor verschwunden war. Man fand sie nie wieder. Seitdem musste man bei Torfarbeiten im Moor darauf gefasst sein, ihren Leichnam zu finden. Immer wenn man beim Torfstechen unvermutet auf Widerstand stößt, heisst es wohl "Pass op, datt sünd de Humannschen Röck!". In Heinrichs Geschichte lebt eine Frau als Außenseiterin in Struvendörp. Sie wird Zeugin eines Mordes und kann von der nachfolgenden Erpressung des Mörders lange Zeit gut leben. Man hat ohnehin Angst im Dorf vor dieser intelligenten Frau und ihren oft harten Worten. Ich erinnere, wie Heinrich über Wochen mit dem Zuschnitt der Hauptfigur seiner Erzählung gehadert hatte. Er fand keine plausible Darstellung dafür, dass eine zierliche Frau in der Mitte des 19. Jahrunderts allein am Rande eines Dorfes lebt und von den Dorfbewohnern gefürchtet ist. Bis Heinrich dann auf die Lösung kam und dieser Frau eine leichte Behinderung, das Nachziehen eines Beines, andichtete. Damit wurde die gesamte Konstellation schlagartig plausibel. Dieses Detail gilt mir als ein typisches Beispiel dafür, wie selbstkritisch Heinrich dramaturgische Mängel in seinen Geschichten sowie die Eigentschaften seiner Figuren analysierte und wie einfallsreich er sie dann zu lösen wusste.

Dieses Buch hatten wir, wie zuvor die Schnacks, mit LaTeX gesetzt und auf dem Laserdrucker ausgedruckt, ergänzt mit den Illustrationen von Olaf Bruhn. Wie der Kontakt zum Berliner Olaf Bruhn zustande gekommen war, kann ich nicht mehr nachvollziehen. Wir haben die Fahnen zum Drucken und Binden nach Leck zu Clausen & Bosse kutschiert und die gedruckten Bücher wenige Woche später mit einem Anhänger wieder zurück nach Oha verfrachtet. Heinrich hatte einen Großteil der Produktionskosten für das Buch übernehmen müssen. Für ihn war in diesem Fall entscheidend auszuprobieren, welche Vorteile es bringt, wenn ein Buch im Verlagsprogramm eines ansehnlichen Verlags untergebracht ist. Im Laufe der Jahre wurde Heinrich zunehmend unzufrieden, wie desinteressiert und kommunikationsunwillig sich der Verlag ihm gegenüber zeigte. Ob die Verkaufszahlen des Buches stimmten, weiss ich nicht.

Die umfangreiche plattdeutsche Erzählung De Mohls darf als das Hauptwerk gelten. Kein Verlag mochte sich zunächst darauf einlassen, eine Erzählung eines unbekannten Autoren im Umfang von 590 Seiten zu produzieren. Typische Plattdeutsch-Leser waren, so war es in den Antwortschreiben der Verlage zu lesen, nicht an einem derart ambitionierten Buch interessiert. Vermutlich kam bei den Verlagen der Gedanke hinzu, dass man Heinrich Ohm für schon zu alt befand und in ihm keinen Autoren sah, den aufzubauen und in den zu investieren lohnte. Sie rechneten wohl nicht mit seiner Produktivität, sie konnten nicht wissen, dass Heinrich schon viele Geschichten auf der Festplatte gespeichert hatte. Parallel zu einer kleinen 50er Auflage, die wir dann in einem Copyshop unter tätiger Hilfe seiner damaligen Freundin Gerda herstellten, habe ich diese Erzählung 1999 im Internet zugänglich gemacht. Man konnte den Text einige Jahre lang, ausdruckfreundlich im pdf-Format angeboten, von meiner Webseite herunterladen. Mir lag einfach daran, dass diese historisch und soziologisch instruktive Erzählung, die in spannender Weise nahe am Alltag vom Leben zwischen den Jahren 1762 und 1968 auf dem Mittelrücken Schleswig-Holsteins erzählt, möglichst viel gelesen wird. Sie wurde auch gelesen. Es trafen ganz überwiegend euphorische Reaktionen aus den USA ein. Dort waren nicht nur frühzeitig auch Senioren im Umgang mit dem Internet fitter als in Deutschland, sondern dort gibt es gut organisierte Interessensverbände und erstaunlich lebendige Enklaven, die die plattdeutsche Kultur ihrer alten Heimat pflegen. Und es gibt dort nicht zuletzt jede Menge an Germanistik-Instituten mit dem Spezialgebiet "Low-Saxon".

Von dieser ersten Version De Mohls gibt es eine

2005 dann hatte sich Dr. Annemarie Jensen des Lektorats von "De Mohls" angenommen. Dies geschah im Zusammenspiel mit Jan Graf, u.a. einem Journalisten, der sich daran interessiert zeigte, diese nunmehr überarbeitete Erzählung als das erste Buch eines externen Autoren in seinem neu gegründeten Plaggenhauer Verlag herauszubringen. Heinrich schlug ein.

De Mohls wurde ein Erfolg. Die publikumswirksamsten Rezensionen zu De Mohls erschienen in der Landeszeitung (Ausgabe vom 27.4.2006: 18) und den Kieler Nachrichten (Ausgabe vom 8.4.2006: 18), und fielen allesamt sehr gut aus. Man zeigte sich einig im Urteil, dass sich dieses Buch sehr spannend liest. Aus meiner Sicht ist vor allem bedeutsam, dass diese Erzählung als Thema eine Lücke schließt, die bis dahin von den städtisch ausgerichteten deutschen Familiengeschichten, wie den Buddenbrooks oder Tadellöser & Wolff, offengeblieben war.

Im Jahr 2000 folgten weitere Broschüren, die allesamt wieder im Selbstverlag herausgegeben wurden. Ein Indikator für die große Fabulierlust zeigt sich beispielsweise ín dem Band Överspönnschen Kram. Sie enthält zwei fantastische Geschichten. In dem Kapitel "Niege Schöpfung" erzäht Heinrich kurzer Hand die Schöpfungsgeschichte erneut. Der Teufel, genannt Urian, reisst das Ruder an sich, weil Gott für einen 2. Versuch nichts Besseres einfiel als vorzuschlagen, eine Jesa an den Start runterzuschicken in der Hoffnung, dass ja wohl niemand es wagte, eine junge Frau ans Kreuz zu nageln. Nein, Gott hatte seine Chance gehabt und sie offenbar nicht zu nutzen gewusst. Nun muss mit mehr Intelligenz und Eleganz, für die der Teufel steht, als bislang vorgegangen werden. Diese Geschichte steht für einen Text bereit.

Und Heinrich veröffentlichte im Jahr 2000 mit De Skatrunde einen zeitgenössischen Kriminalroman. Ein Mann wird mit einem Bolzenschussgerät, mit dem auch Schlachter die Tiere töten, umgebracht. Die Ermittlungen der Polizei bringen zutage, dass viele Menschen Motive hatten, diesen Mann zu hassen.

Heinrich und ich überlegten häufig, dass man eigentlich Hörbücher aus seinen Geschichten machen sollte. Das lag nicht nur im Trend, sondern die Zahl derjenigen Menschen, die Plattdeutsch lesen können und wollen, nimmt absehbar ab. Sie bevorzugten es sicher, wenn man Ihnen die Texte vorläse. Gesagt, getan, Heinrich suchte drei Erzählungen für Aufnahmen heraus. Am 27. Juli und 6. August 2003 trafen Arthur Meyer und Inge Rieck, beide Mitglieder der Niederdeutschen Bühne Rendsburg, bei Heinrich ein, damit wir Erzählungen aufnehmen konnten. Diese können nachfolgend runtergeladen werden.

2006 folgte eine Broschüre mit einer Sammlung kurzer Erzählungen unter dem Titel Wat ik di al ümmer maal vertellen wull. Diese Sammlung, die wieder im Selbstverlag erschien, enthält unter anderem die drei oben aufgelisteten Geschichten der Audio-Dateien.

2006 war auch das Jahr der Veröffentlichung der wiederum historischen Kriminalgeschichte Dat Licht, die in der Zeit zwischen 1890 und 1928 spielt. Dies ist die Zeit ganz besonders großer gesellschaftlicher Umwälzungen und Krisen. Wieder wird am Beispiel von Weltkrieg und Inflation veranschaulicht, wie gesellschaftliche Umwälzungen und Katastrophen bis in die Familien eines kleinen, abgeschiedenen Dorfes hineinreichen.

Mit Dat sünd doch Juden erschien 2007 dann Heinrichs letzte Erzählung, wie schon "Dat Licht" im Plaggenhauer-Verlag. Diese Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit einer Hamburger Familie, in der der Vater, ein hochdekorierter Frontsoldat des 1. Weltkrieges, seine jüdischen Wurzeln kappt und seinen zunächst ahnungslosen Söhnen unter den Nazis mit gefälschten Ariernachweisen den Eintritt in die Wehrmacht ermöglicht.

Leider wurden die Texte bei "Dat sünd doch Juden" und noch deutlicher: bei "Dat Licht" grottenschlecht gesetzt, insbesondere im Hinblick auf Berücksichtigung des besonderen Aspektes, dass es sich mit Plattdeutsch um eine Sprechsprache handelt. Aus meiner Sicht sollte der Satz eines plattdeutschen Textes nicht irgendwie die konventionellen Erwartungen von Lesern erfüllen oder irgendwie schön sein, sondern vordringlich die Funktion erfüllen, dass der Text so umstandslos wie möglich seine geschriebene Gestalt verliert und sich allein im inwändigen Lesesprechen auskristallisiert. Es gilt, so klar wie möglich mit dem Textsatz an eine Sprechsituation heranzukommen. Dies erreicht man handwerklich dadurch, dass die Abstände der Buchstaben so gleichmäßig wie möglich ausgerichtet sind, auf Kosten eines rechten Randes, der also flatterig bleiben muss. Ausgerechnet diese beiden letzten, äußerlich zunächst so wertig erscheinenden Bücher, werden dieser einzigen Anforderung, die der Textsatz bei einer plattdeutschen Geschichte zu erfüllen hat, um die sogenannte Immersion leicht zu machen, nicht gerecht. Der Verlag hat diese Überlegungen, die bei De Mohls noch berücksichtigt wurden, nicht respektiert. Und Heinrich waren theoretische Überlegungen dieser Art nicht mehr sonderlich wichtig, er hatte auch nicht mehr die Kraft für Auseinandersetzungen, so dass Plaggenhauer diese Bücher typografisch vermurkst einfach auf den Markt brachte.

In den verbliebenen vier Jahren bis zu seinem Tod hat Heinrich dann vor allem noch an seiner Biographie geschrieben sowie sporadisch seine bis dahin unveröffentlichten Geschichten und Erzählungen durchkorrigiert.

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