Martin Rost
Publikationen

Digitalfunksignale im Amateurfunk


Artikel 7: E-Mail per Kurzwelle


Martin Rost
https://www.maroki.de/pub/technology/digidecode/digidecode.html
Kontakt: 13LMR1@webDLT.de (entferne/delete DLT)
Version: 1.0, 2017/05




In diesem Kapitel zeige ich an einem Beispiel, wie man per Kurzwelle als Funkamateur, der ein wenig Erfahrung mit den Digimodes gesammelt hat und bspw. schon einige PSK31- oder RTTY-QSOs geführt hat, mit exakt dieser vorhandenen technischen Ausstattung und dem vorhandenen Digimode-know-how (CAT-Steuerung des Transceivers, Audioverbindungen, Nutzung von Dekodierprogramme) E-Mails über das System Winlink versenden und empfangen kann. Zumindest in den meisten Fälle sollte es funktionieren, sofern der Transceiver schnell genug zwischen Senden und Empfangen umschalten kann. Bei den neueren Geräten sollte das der Fall sein. (Mein Flexradio-SDR stellte sich als zu langsam für Winmor heraus, bei meinem dann zum Einsatz kommenden Yaesu-FT857D gab es keine Probleme.)



Winlink - http://winlink.org/: Eine Infrastruktur
zum Mailen über Amateurfunkfrequenzen.


Winlink mit Winmor benutzen

Rufen Sie die Webseite von Winlink.org auf.


Winlink: Ein Überblick zu Winlink-Servern, über die man aktuell
(1.5.2017) per Amateurfunk eine E-Mail ins Internet schicken könnte

Typmäßig wäre ich jemand, der sich auf dieser Webseite nun eine zeitlang erratisch herumtreibt und dabei versucht, ein Gesamtbild zu bekommen. Vielleicht ticken Sie ähnlich. Oder Sie lesen nun straight hier weiter, was dazu führen kann, dass Sie in 30 Minuten zum ersten erfolgreichen Mailtausch kommen, ohne Details und größere Zusammenhänge verstanden zu haben. Weil wir mit den vorhandenen Bordmitteln des Amateurfunks für Digimodes auskommen wollen - das heisst: über eine funktionierende Amateurfunk-Anlage und einem PC mit Soundkarte verfügen - müssen wir das Kommunikationsprotokoll "Winmor" nutzen.

Es gibt einen Überblick, welche Winlink-Server gerade auf Kurzwelle lauschen. Klicken Sie bei Winlink bitte auf "Tools". Dann bekommen Sie unter dem Reiter "RMS Map" ganz links angezeigt, welche Stationen aktuell mit dem Protokoll "Pactor" lauschen. Im Bildrand oben sind die verschiedenen Protokolle klein angezeigt: "Packet", "Pactor", "Winmor", "Robust Packet". Klicken Sie "Winmor" an. Ich habe das am 1. Mai 2017 getan, worauf mir eine Übersicht (siehe nebenstehendes Bild) gezeigt.

Ich habe in das Bild reingezoomt, meinen Standort (Mitte Schleswig-Holstein) einigermaßen in die Mitte des Bildes gelegt, um erkennen zu können, welche Server in meiner Nähe liegend erreichbar sind. Der Plan: Es ist etwa 22 Uhr, also abends, das 80m ist entweder offen oder wird sich demnächst öffnen. Damit würde ich Server in in Mitteleuropa (Deutschland, Skandinavien, Frankreich oder Italien, Osteuropa oder England) erreichen können. Das Reinzoomen zeigt 2 deutsche, 5 skandinavische und rund zehn Stationen oberhalb und unterhalb der Alpen an. Die Frage ist nur: Bieten diese Server überhaupt Einstiege auf 80m an? Das tun Sie.



Winlink: Einstiegs-Server, die auf 80m abends infrage kämen




Winlink: Deutscher Winlink-Einstieg
mit dem Rufzeichen DB0ZAV für Winmor

Klicken Sie bitte eine der von kleinen grünen Bäbbel angezeigten Winlink-Server an. Ich habe das gemacht bei dem Server, der nördlich von Frankfurt als standby angezeigt wird.

Nach dem Anklicken auf den grünen Bäbbel poppt eine Seite hoch die anzeigt, dass die Station mit dem Rufzeichen "DB0ZAV" auf 80m, 40m und 20m mit dem Protokoll "Winmor 500" zwischen 15- und 20 Uhr auf der Frequenz 3597.500 KHz QRV ist. Falls Sie jetzt, so wie ich das erste Mal, nachts um 22 Uhr herum unterwegs waren, könnte das jetzt für 80m zu spät sein, um noch Kontakt zu DB0ZAV zu bekommen. Unklar ist zudem, welche Zeit angezeigt wird, ob UTC oder Ortszeit. Schön ist der Hinweis ganz unten auf die Webseite dieses Servers http://www.dl1zav.de. Dort erfährt man, dass es sich um eine Station im Kontext des Notrufs der hessischen Funkamateure handelt. Auf den Notfunk komme ich zum Schluss dieses Artikels zu sprechen, zunächst bleiben wir bei den technischen und organisatorischen Details, die es hier zu klären und zu lernen gibt. Konkret würde man jetzt, sofern die Amateurfunklizenz es hergibt, auf die Anzeige für das 40m-Band wechseln. Und dort ist dann zu erfahren, dass DB0ZAV zwischen 21-08 Uhr auf 7051.000 KHz QRV ist.

Meinen ersten Connect ins Winlink-System hatte ich über den DB0ZAV-Server, mit einer Sendeleistung von 20W. Diesen ersten Connect mit diesem Server hatte ich als Textdatei gespeichert, um zu verstehen, was da abläuft. Bis es so weit ist, dass Sie ein solches Transferprotokoll erhalten, müssen allerdings noch drei Hürden genommen werden: Es muss das Progamm Winlink-Express (W7) installiert und konfiguriert, das Zusammenspiel von Programm und Funkgerät eingerichtet und ein Mail-Account auf dem Winlink-System eingerichtet werden.

*** Connected to Winlink RMS: DB0ZAV @ 2017/04/17 17:57:28  USB Dial: 3596,000 at 2017.04.17 17:57:28
RMS Trimode 1.3.12.0 *DL0NOT*EmComm-NotFunk-Distrikt-Hessen[Op:DL1ZAV]
DO4LMR has 119 minutes remaining with DB0ZAV
[WL2K-3.2-B2FWIHJM$]
;PQ: 94076399
Perth CMS via DB0ZAV >
   ;FW: DO4LMR
   [RMS Express-1.5.2.0-B2FHM$]
   ;PR: 37063375
   ; DB0ZAV DE DO4LMR (JO44XF)
   ;PM: martin.rost@maroki.de VPY8SJX37FKJ 168 DO4LMR //WL2K Test4
   FC EM VPY8SJX37FKJ 178 168 0
   F> 58
FS Y
*** Sending VPY8SJX37FKJ.
FF
*** Completed send of message VPY8SJX37FKJ
*** Sent 1 message.  Bytes: 189,  Time: 00:52,  bytes/minute: 215
   FQ
*** --- End of session at 2017.04.17 18:02:37 ---
*** Messages sent: 1.  Total bytes sent: 189,  Time: 05:09,  bytes/minute: 37
*** Messages Received: 0.  Total bytes received: 0,  Total session time: 05:09,  bytes/minute: 0
*** Disconnecting
*** Disconnected from Winlink RMS: DB0ZAV @ 2017/04/17 18:02:56
*** Session: 5.4 min;  Avg Thruput: 0 Bytes/min;   1 Min Peak Thruput: 243 Bytes/min

Winlink-Express installieren und Winlink-Account anlegen


Winlink: Winlink-Express, das Mailprogramm für Winlink unter Windows

Klicken Sie auf der Winlink-Startseite auf "Client Software". Dann öffnet sich ein Fenster, in dem verschiedene Programme, mit denen sich Winlink nutzen ließe verglichen werden. Als Windows-Nutzer lohnt es nicht, sich hier zu versenken und die Details zu verstehen. Kicken Sie rechts auf "Winlink Express". Dann öffnet sich eine Seite mit viel kleinformatigem Text, mit einem Scroll nach unten wird unter "Download" ein Link angezeigt, in meinem Falle "winlink_express_install_1-5-2-0.zip". Mit einem Doppelklick können Sie die Datei auf Ihren Rechner kopieren. Packen Sie die Datei aus. Sie finden im Paket die Installationsdatei "RMS Express Setup.msi", die sie wie üblich doppelklicken, das Programm "Winlink Express" wird installiert. Nach der Installation starten Sie das Programm wiederum per Doppelklick.


Winlink: Die verschiedenen Verbindungs-
protokolle von Winlink-Express
Nach dem Programmstart sind Sie gehalten, Ihr Amateurfunkrufzeichen einzugeben. Das war es im Wesentlichen fürs Erste. Zwei Bereiche dieses Programms sind für uns nun besonders interessant: Rechts oben das Fenster für die Auswahl des Protokolls (im Screenshot steht dort neben "Open Session: "Telnet Winlink"" (rote 1)), sowie das Connect-Symbol links vom blauen Fragezeichen-Symbol (rote 2).

Zunächst zur Protokollwahl (siehe den Kringel an der roten 1). Klickt man den Pfeil rechts davon an, bekommt man ein Menü zur Auswahl der möglichen Verbindungsprotokollen angezeigt. Uns interessieren für den Einstieg nur die zwei Protokolle: "Telnet Winlink" und "Winmor Winlink". Mit "Telnet-Winlink" bekommen wir Kontakt zu unserem Mailpostfach bei Winlink per Internet, also bspw. vom heimischen PC aus oder über WLAN, wenn man unterwegs ist und innerhalb der Zivilisation WLAN-Anbindungen nutzen kann. Mit "Winmor Winlink" können wir dagegen per Kurzwelle einen Winlink-Server erreichen.

Wenn Sie nun auf das Protokoll-Connect-Symbol klicken (im Bild das rot eingekringelte Symbol, neben der 2), dann poppt das Protokoll-Auswahlfenster auf.


Winlink: Telnet Winlink-Session, für
Verbindungsaufnahme zum Winlink-Server auf
"Start" klicken.
Wir bleiben beim Protokoll "Telnet Winlink" und klicken auf das Connect-Symbol. Es erscheint das Fenster "Telnet Winlink Session". Wenn Sie nun in der oberen Leiste dieses Fensters auf "Start" klickten, würde eine Verbindung zum Winlink-System aufgebaut und Mail ausgetauscht werden, sofern natürlich auf dem Winlink-Server für Sie Mail eingetroffen ist oder Sie Mail zum Abschicken vorbereitet haben. Ein Connect per Telnet zum Winlink-System funktioniert, wenn man bereits über einen Winlink-Account verfügt. Oder wenn man einen neuen Winlink-Account zu beantragen beabsichtigt.


Winlink: Telnet Winlink-Session, Kontakt zum Winlink-Mailserver mit Download der Datei "NWI99RUBJP6L"
Um einen Account zu erhalten muss man sich das erste Mal über die Webseite von winlink.org anmelden. Dazu findet man auf der Winlink.org-Webstartseite oben Links die Option "My Account". Wenn Sie das anklicken, dann öffnet sich ein Unterfenster mit den erwartbaren Feldern, um sich einzuloggen bzw. um einen Account zu eröffnen. Wenn es Problem gibt, einen Connect zu bekommen, kann es sein, dass ihre Firewall eine solche Verbindung nicht zulässt. Entsprechend muss in die Firewall eine neue zugelassene Verbindung eingetragen werden.

Ein Einschub: Spüren Sie gerade Skrupel, per Telnet E-Mails und Passworte zu verschicken? Die Skrupel sind natürlich berechtigt. Das Telekommunikationsgeheimnis gilt bei der Nutzung von Winlink nicht, weil Amateurfunk nur eine technische Anwendung aber kein Telekommunikationsdienst ist oder sein soll oder sein darf. Auch ohne sonderlichen juristischen Scharfsinn ist klar, dass der Winlink-Betrieb rechtlich problematisch sein müsste... sein muss. Eine schnelle Suche im Internet dazu soeben hat zu keinen klaren Aussagen geführt (verehrte Leserin, verehrter Leser, wenn Sie rechtliche Erläuterungen zu "E-Mail über AFU-Kurzwelle" gefunden haben, bitte eine Mail an mich (siehe Kopf dieses Textes)). Zumindest wenn den Dienst nur Funkamateure für E-Mail unter sich benutzten, und in den Mails nur technische Informationen enthalten wären, dann könnte das in Ordnung sein. Wenn man Winmor-Sendungen parallel empfängt und speichert, bekommt man keinen schlichten ASCII-Text zu Gesicht, man kann Winmor-Sendungen insofern nicht trivial mitlesen, wie bspw. bei psk31. Aber weil das Protokoll offengelegt wurde, ist es grundsätzlich möglich, einen Decoder zum Mitlesen zu programmieren. Ich denke, dass die folgende Policy zur Winlink-Nutzung gelten sollte: Man benutzt Winlink per Kurzwelle nicht zum Spaß, sondern nur mit wenigen guten Gründen. Für eine Nutzung per Telnet braucht man dagegen keine guten Gründe. Aber ab und zu muss man testen, ob es noch über Kurzwelle funktioniert, auf der eigenen Seite, und der Serverseite.


Winlink: Einen Account auf Winlink einrichten

So, Sie sehen links Text "Winlinks Accounts..." darunter "We require" darunter "How To Get An Account". Klar, diesen Text sollten Sie sich jetzt durchlesen. Das Programm Winlink Express haben Sie bereits installiert. Ihre Mailadresse wird dann lauten "Ihr_Rufzeichen@winlink.org". Der Account wird nicht einfach angelegt, wie man es normalerweise erwarten würde. Sondern man beantragt den Account und bekommt das Passwort dann entweder per erstem Funkkontakt oder per Telnet-Abruf, wie oben durchgeführt, zugeschickt. Der Hintergrund ist der, dass die Winlink-Betrieber verhindern wollen, dass Accounts auf Vorrat angelegt werden, ohne dass sie dann auch genutzt werden. Das Bewältigen der kleinen Hürden bis zum Accountnutzen, der wiederum nach 400 Tagen Inaktivität auch wieder gelöscht wird, wird absichtlich abgefordert, weil das gesteigerte Maß an Motivation, das hinzubekommen als Maßstab für ernsthaftes Nutzinteressen genommen wird.

Der erste Mailversuch per Kurzwelle


Winlink: Fenster für die Mailbearbeitung
Wenn Sie über einen funktionierenden Account bei Winlink verfügen, können Sie versuchen, nun per Kurzwelle ihren ersten Mailtausch durchzuführen. Starten Sie Winlink Express und klicken Sie auf "Message", dann "New Message":, dann öffnet sich ein ganz typisches Fenster zum Erstellen einer Mail. Links oben werden Sie Ihr Rufzeichen sehen, es ist die Option "Winlink Message" angewählt.. Sie tragen nun wie gewohnt bei "To:" die gewünschte Mailadresse ein, typischerweise trägt man beim ersten Mal die eigene Mailadresse ein, Subject "Test", als Text vielleicht auch nur ein knappes Wort, dann auf "Post to Outbox" klicken und die Mail wartet darauf, nun per Funkgerät abgeschickt zu werden. Wenn Sie nun genau so vorgegangen sind sehen Sie in der Outbox-Anzeige eine (1) und im Verzeichnis der Mails eine Zeile. In der Subject-Zeile könnte Ihnen auffallen, dass die Betreffzeile, die Sie angegeben haben, ergänzt um die Zeichenkette "//WL2K". Das macht das Mailprogramm automatisch. Winlink verschickt und empfängt nur solche Mails, die in der Betreffzeile ein "//WL2K" enthalten, als kleiner Schutz vor beliebig großen Mails. Also daran denken: Wer aus dem Internet über Winlink eine Mail an Sie schicken möchte, muss an den Anfang der Betreffzeile "//WL2K " schreiben!


Winlink: Eine Mail, vor dem Ausgesendetwerden

Winlink: Winmor Winlink-Session, das
TNC-Fenster zum Funkgerät

Sie könnten diese Mail per Winlink-Telnet-Session abschicken, einfach um zu sehen, ob Winlink überhaupt funktioniert. Wie das funktioniert, habe ich oben gezeigt. Wenn Sie eine derart vorbereitete Mail per Funkgerät verschicken wollen, dann ändern Sie das Transportprotokoll bei "Open Session" auf "Winmor Winlink" und klicken Sie wieder auf das Symbol zur Verbindung mit dem Funkgerät (Stichwort: "rote 2"). Es öffnet sich das Fenster "Winmor Winlink Session". Es hat mehr Optionen als das "Telnet-Winlink-Session" von eben, aber der Ablauf ist genau der gleiche: Wenn das Funkgerät korrekt eingestellt ist, dazu kommen wir gleich noch, und Sie klicken auf "Start" würde das Funkgerät anschließend versuchen, Kontakt zum eingestellen Winlink-Server aufzunehmen. Wenn der Kontakt zustandekommt, werden automatisch Mails ausgestauscht. Beim Empfang von Mails können Sie einstellen, ob Sie vor einem Zugesendetbekommen noch mal gefragt werden wollen. Denn es kann gut sein, dass die Mail auf dem anderen Ende so groß ist, dass die Verbindung eine ganze Stunde blockiert wäre. Das ist nicht fair und nervt. Wo sie solche Eigenschaften einstellen können, finden Sie bitte selbst heraus.


Winlink: Einen geeigneten Winlink-Server finden

Nun zurück zur letzten Hürde, die noch zu nehmen ist, nämlich die Steuerung des Funkgeräts über das "Winmor Winlink Session"-Fenster. Die wichtigste Frage in diesem Kontext ist immer: Welchen Server könnte ich jetzt am besten erreichen? Woher können Sie das wissen? Klar, als Funkamateur wissen Sie grob, dass tagsüber die "kurzen Frequenzen" gehen müssten, also etwa 15m und 20m, abends 80m, und 40m kann man eigentlich immer mal probieren. Winlink bringt ein großartiges Prognosetool mit. Klicken Sie im "Winmor Winlink-Session-Fenster auf "Channel Selection". Es öffnet sich ein Fenster, das alle Winlink-Server auflistet, mit Angabe von Verfügbarkeit-Schätzungen. Augenblicklich sieht diese Prognose bei mir nach Frequenzen sortiert, so aus, dass eine Station in Schweden auf dem 160m-Band (1842 kHz) mit einer Verfügbarkeitsschätzung von 36% (36 auf gelbem Grund) ein Signal von mir hören könnte. Das reicht nicht bzw. geht erfahrungsgemäß besser. (Die 99 auf grünen Grund besagt, dass dieser Server grundsätzlich sehr gut verfügbar ist, also einen soliden Betreiber hat, dabei arbeitet Winlink vollständig auf freiwilliger Basis.) Es gibt bessere Pfad-Qualität-Schätzungen. Wenn man "Path Quality Estimate" anklickt, wird nach der aktuell besten Verfügbarkeitswahrscheinlichkeit sortiert.


Winlink: Wenn "Path-Quality-Estimate" grün ist, ist der angezeigte Server mit einer guten Wahrscheinlichkeit erreichbar

Das sieht doch schon viel besser aus. Im Moment könnte man auf dem 40m arbeiten, auch über 60m und es ist eine Station auf 80m (Rufzeichen "SK6PS") mit der Qualität "54" erreichbar. Die Stationen im südlichen Schweden und Norwegen sowie in der Schweiz und Italien sind erreichbar, alle rund um die Uhr, die meisten mit "Winmor 1600", die deutsche Station DB0ZAV ist aktuell nicht erreichbar. Winmor 1600 hat einen etwa 3 mal schnelleren Durchsatz als Winmor 500, ist dafür aber störanfälliger. In meinem Falle will ich über 80m einsteigen, und ich doppelklicke entsprechend auf "SK6PS". Wenn eine Station noch nicht unter den "Favorites" gespeichert ist, klicke ich danach auf "Add to favorites", und der Server, den ich gleich erreichen will, steht im Favorites-Fenster.


Winlink: "WINMOR TNC-Setup": Audio-Kanal
muss angegeben werden, den Rest kann man
in viele Fällen wie vorgegeben übernehmen

Bevor mit einem Klick auf Start nun die Kontaktaufnahme losgehen kann, muss erst noch das Funkgerät konfiguriert werden. Ein Klick auf "Setup" öffnet das dafür vorgesehen Menü. Als erstes muss das Winmor-Setup kontrolliert werden, insbesondere ob der Audiokanal korrekt angegeben ist. Bei mir stimmten die Voreinstellungen so.


Winlink: "Radio Setup": Es muss das passende
Funkgerät angegeben werden

Dann folgt das "Radio-Setup". Hier muss das Funkgerät angegeben werden. In meinem Falle ist es ein Yaesu FT-857. Die Auswahlliste bietet eine Anzahl aktuell typischer Amateurfunkgeräte. Ich habe mich nicht mit der Frage befasst was zu tun ist, wenn das eigene Gerät nicht darunter aufgelistet ist. Die anderen Optionen von "Setup" müssen uns erst einmal nicht interessieren. Man muss damit rechnen, dass es eine Weile dauert, bis man die Abstimmung mit dem Funkgerät gefunden hat. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass alleine meine Probleme nach einer Internetsuche lösbar waren.

Wenn die Funkanlage korrekt eingestellt ist (Stehwelle korrekt, Sendestärke max. 20W, CAT- und Audio-Verkabelung stimmen) und somit das Funkgerät einwandfrei funktioniert und ein Winlink-Server mit aussichtsreich guter Erreichbarkeit ausgewählt wurde, kann man es mal wagen, auf "Start" zu klicken.


Winlink: Der TNC als Verbindung zwischen
Programm und Funkgerät

Es öffnet sich das "Sound Card TNC"-Fenster (TNC: Terminal Node Controller) das die Verbindungsversuche anzeigt, sofern die Frequenz frei ist, was im "Busy Detector" rechts angezeigt wird. Im Wasserfall-Fenster kann man etwaige Aktivitäten erkennen. Winmor startet nacheinander mehrere Connectversuche, jeder Versuch mit einer anderen Vorstellung für die Sende-Empfang-Umschaltzeiten. Wenn das Funkgerät schnell zwischen Senden und Empfangen umschaltet, dann ist das korrekt; die Connect-Versuche - ich habe die folgenden Latency-Zeiten beobachtet: 3 Versuche a 60ms, 110ms, 80, 120 50 140 70 110 100 - sollten, auch wenn es zunächst aussichtslos erscheint, bis zum letzten Versuch nicht unterbrochen werden. In einem Falle war ein Connect erst relativ spät mit 70ms Latency zustandegekommen. Wie immer gilt so auch hier: Nicht nervös werden.

Bischen Resümee und einige nützliche Links

Es ist vollkommen klar, dies ist nur ein Schnelleinstieg in das Mailen per Kurzwelle über das Winlink-System für erfahrene Funkamateure, die ihre Digimode-Funkausstattung kennen. Natürlich sollte man spätestens jetzt die angebotenen Hilfetexte auf dem Winlink-Webserver lesen. Zum einen, um das System der Winlink-Server-Infrastruktur zu verstehen, zum anderen um auch besondere Verbindungssituationen nutzen zu können, ohne Rückgriff auf die Winlink-Infrastruktur, bspw. direkt von Funkstation zu Funkstation.


Winlink: Winmor-TNC-Fenster, es zeigt eine etablierte
Verbindung zu einem Winlink-Server

Die Flexibilität und Robustheit von Winlink ist eine Eigenschaft, die für Notfunksituationen wichtig ist. Winlink wird insbesondere in den USA für Notfunk eingesetzt, vielfach im UKW-Nahbereich für Entfernungen zwischen 30 und 100km. Professionelle Organisationen, die Notfunk über Kurzwelle nutzen können möchten, und ebenso Weltumsegler oder Wüstendurchquerer setzen anstelle von Winmor das Protokoll PACTOR ein. PACTOR gibt es nur in Hardware gegossen als teures Modem, das gegenwärtig in der Version 4 angeboten wird und mit 11kb/s bei einer Bandbreite von 2.4kHz einen sehr viel besseren Datendurchsatz als Winmor zu nutzen erlaubt. Die Winlink-Nutzungsstatistik zeigt, dass PACTOR 4 inzwischen das am häufigsten genutzte Verbindungsprotokoll im Winlink-Verbund ist. Winmor taugt für kleine Textdateien, schon ein kleines Bild von vielleicht nur 25kB per Winmor 500 zu versenden bringt keinen wirklichen Spaß. Aber, wenn es sein muss, dann würde es funktionieren.

Wenn Sie es mit Hilfe dieser Anleitung geschafft haben, dann schicken Sie mir doch eine Mail an meinen Winlink-Account. Gern mit einer kurzen Geschichte darüber, wie Sie Winlink benutzen und warum Sie Winlink eingerichtet haben. Ich würde mich darüber freuen.

Beste Grüße,
73 de DO4LMR







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